Lola

Lola

Ein für Sombali tatsächlich „traumatisches“ Erlebnis bescherte ihm Lola, der kleine, nicht übermäßig clevere Hund meiner Freunde. Sie holten mich eines Tages mit dem Auto für einen Ausflug nach Ungarn ab – während Sombali besser zuhause blieb, weil er in ihrem dortigen Häuschen, umgeben von Hühnern, Hunden und Hasen, wohl komplett durchgedreht wäre. Als der Papa der Familie vor der Fahrt bei mir noch auf die Toilette wollte, sprang die kleine Lola hinter ihm her aus dem Auto und zur Tür herein. Hier wurde sie natürlich als dreister Eindringling in Sombalis Königreich von diesem mit empörtem Pfauchen alles andere als freundlich begrüßt; Vor lauter Angst setzte sich Lolaklein schlotternd und japsend mitten im Raum hin – und pinkelte drauflos. Das war der Gipfel jeder Impertinenz. Außer sich vor Wut raste Sombali auf sie zu und jagte die panisch quietschende Sünderin mehrere Runden im Kreis, bis diese den rettenden Ausgang erwischte, wieder ins Auto meiner Freunde flüchtete und wohl nur knapp einem Herzinfarkt entkommen war.

Dieses Ereignis vergaß Sombali nie wieder. Jedes Mal, wenn ich nach einem Besuch bei meinen Freunden nach Hause kam, roch er Lola an mir, pfauchte mich wutentbrannt an, verschwand in der Küche unter dem Tisch mit bodenlangem Tischtuch und knurrte zwei Stunden lang darunter hervor, wenn ich auch nur daran vorbei ging. Selbst duschen und die Kleider wechseln half genau gar nichts. Und auch, als er nach etwa zwei Stunden mal wieder hervor kam, durfte ich ihn noch ungefähr weitere zwei Stunden nicht anfassen oder gar streicheln. Lola war und blieb für ihn ein rotes Tuch, das er für immer in der Nase hatte und ich glaube mehr hasste, als irgendetwas anderes in seinem Leben. Als Lola ein paar Jahre später starb, durfte ich von meinen Freunden wieder nach Hause kommen ohne vierstündige Sanktionen für unerträgliche Duftnoten.